Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Hafer (Avena sativa)

Der Hafer ist nicht nur von medizinischer Bedeutung, sondern auch ein wertvolles Nahrungsmittel. Dabei kann der hohe Nährwert des Getreides eine Behandlung im Einzelfall unter Umständen erheblich unterstützen. So werden bei Diabetes etwa Hafertage empfohlen, um die Blutzuckerwerte zu verbessern. Ebenso kann die Haferkleie zur Senkung der Blutzuckerwerte beitragen. Auch der Cholesterinspiegel kann günstig beeinflusst werden. Zudem wirkt die Kleie leicht abführend.

Die Pflanze gehört zu den Süßgräsern (Poaceae) und wird bis zu ca. 1,5 Meter groß. Aus der Blattscheide entwickelt sich der rispenförmige Blütenstand mit seinen nach unten geneigten Blüten an den einzelnen Ähren. Neben den Haferfrüchten und der Kleie werden vor allem das grüne Haferkraut und das Stroh medizinisch genutzt.

Das Haferkraut (Avenae herba) lindert der Erfahrungsmedizin zu Folge Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen. Stressbedingte Ängste und Spannungszustände können insbesondere bei Kombination mit ähnlich wirkenden Arzneipflanzen nachlassen. Darüber hinaus stärkt er das Bindegewebe und wirkt aufbauend bei entkräfteten Patienten. Hierzu wird eine Tasse Tee für Erwachsene mit einem Teelöffel des getrockneten Krauts mit kochendem Wasser überbrüht und 10 Minuten abgedeckt ziehen gelassen.

In der chinesischen Medizin wird das Haferkraut als befeuchtendes Yin- und Blut-Tonikum geschätzt, das darüber hinaus das oft als Energie übersetzte Qi tonisiert und nährt. Gleichzeit beruhigt er den geistigen Aspekt Shen.

Ein wässriger Auszug des Haferstrohs (Avenae stramentum) kann dagegen bei trockenen Hauterkrankungen und Juckreiz als Badezusatz angewendet werden. Zur Herstellung des Auszugs werden 100 g Stroh mit einem Liter siedendem Wasser übergossen und mindestens 10 Minuten ziehen gelassen, bevor dieser dem Bad zugegeben wird. Das Bad kann beruhigend auf die Haut wirken.

Bei Unverträglichkeit sollte auf die Anwendung von Hafer verzichtet werden. Die Fähigkeit zur Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen kann beeinträchtigt sein, insbesondere wenn Hafer mit beruhigend wirkenden Medikamenten kombiniert wird. Die Wirkung Blutdrucksenkern, Lipidsenkern und Antidiabetika kann verstärkt werden. Bei letztern besteht daher in Kombination mit einigen Arzneistoffen ein erhöhtes Risiko für eine Unterzuckerung. Diabetiker sollten daher bei gemeinsamer Anwendung ihren Blutzuckerspiegel regelmäßig kontrollieren und für Notfälle Traubenzucker mit sich führen.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

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