Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Holunder (Sambuci flos / fructus)

Der schwarze Holunder (Sambucus nigra) - benannt nach seinen schwarzen Früchten - ist auch als Holler oder Holder bekannt. Die Sträucher werden bis zu 15 Meter hoch und haben unpaarig gefiederte Blätter, d.h. die Laubblätter bestehen aus einer ungraden Zahl einzelner Fiederblätter – meist sind es drei bis neun. Die Blütenstände sind schirmförmig und aus einer Vielzahl weißer, radiärsymmetrischer Blüten zusammengesetzt, in deren Mitte die fünf Staubblätter deutlich sichtbar sind. Der Holunder blüht im Juni und veranlasst die Freunde des Holundersirups sie emsig zu sammeln. Auch Marmeladen und Pfannkuchen gehören zu den Köstlichkeiten, die sich aus den Blüten zubereiten lassen. Im Sommer reifen dann die roten, blauen oder schwarzen Früchte heran, die ungekocht für den Menschen giftig sind.

Mythischer Holunder
Der Holunder bot einst Schutz vor Feuer, Blitzeinschlag, Hexen und schwarzer Magie, aber auch vor Schlangenbissen und Mückenstichen. Da sich andererseits Hexen in Holunderzweige verwandeln konnten, verzichtete man darauf das Holz zu Möbeln zu verarbeiten oder den Baum zu Fällen. Frau Holle raubte wiederum Kinder aus Wiegen, die aus Holunderholz gefertigt waren. In ihm wohnten andererseits dem Volksglauben zu Folge die guten Hausgeister, weshalb man vor dem Holunder den Hut zog.

Die Germanen nahmen dagegen an, dass der Holunder Wohnsitz der Freya sei, der Beschützerin von Haus und Hof. Zudem baten sie unter dem Holunder, Holla, die Göttin der Quellen und Brunnen, um fruchtbare Felder. Vertrocknete der Holunder, galt dies einst ein Hinweis darauf, dass ein Familienmitglied verstorben ist. Grünte dann ein aus dem Holunder gebautes Kreuz auf dem Grab wieder, war der Verstorbene im Jenseits selig. Judas soll sich an einem Holunder erhängt haben, nachdem er Jesus verraten hatte.

 

Medizinischer Nutzen
Medizinisch werden die getrockneten, weißen Holunderblüten und die Früchte des Holunders genutzt. Sie wirken schweißtreibend bei Fieber mit Frösteln. Für die Zubereitung von einer Tasse Tee aus den getrockneten Blüten verwenden Erwachsene drei bis fünf Gramm und überbrühen sie mit siedendem Wasser. Anschließend sollen sie fünf bis zehn Minuten abgedeckt ziehen. Pro Tag können Erwachsene zwei bis vier Tassen des Tees trinken. Für eine Schwitzkur sollten sie sich allerdings Kleidung zum Wechseln bereitlegen und nach dem Genuss des Tees warm zugedeckt ins Bett legen.

In der chinesischen Medizin geht man davon aus, dass ein pathogener Faktor eingedrungen ist, wenn ein Mensch sich erkältet. Man spricht dann von Wind-Kälte oder Wind-Hitze, die dank Holunderblütentee ausgeleitetet werden können, weil er die Oberfläche öffnet. Die Blüten gelten als Blut-Tonikum, die mit dem Weiqi auch die Abwehr stärken.

Die entwässernde Wirkung von ACE-Hemmern, Sartanen und Diuretika kann durch Holunder verstärkt werden ebenso diejenige von Abführmitteln. Auch mit anderen Medikamenten sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Lassen Sie sich hierzu vom Arzt oder Apotheker beraten.

Der Saft der Holunderfrüchte wird in der Erfahrungsmedizin darüber hinaus zum Steigern der Abwehrkräfte und bei Anämie angewendet.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

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