Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Brennnessel (Urtica dioca)

Zur Brennnessel hält wohl ein jeder etwas Abstand, der schon einmal mit den Inhaltsstoffen der leicht zerbrechlichen Häarchen der Pflanze in Berührung kam und durch das anhaltende Brennen, die schmerzhafte Schwellung und die Rötung auf der Haut noch ein Weilchen an diesen Kontakt erinnert wurde. Dennoch gilt sie als schmackhafte Beilage im Salat. Darüber hinaus hat sich ihr Nutzen als Heilpflanze herum gesprochen.

Ihre Blätter sind kreuzgegenständig angeordnet. Auf jeder Etage befinden sich also zwei einander gegenüber stehende lanzettförmige bis elliptische und spitz zu laufende, am Rand gezähnte Blätter, wobei die Blätter der nächsten Etage im rechten Winkel dazu verdreht angeordnet sind. Stängel und Blätter sind behaart. Diese Haare brechen schon bei der kleinsten Berühung auf und geben ihren stark reizenden Inhalt ab, der Fressfeinde fern halten soll. Doch viele Insekten haben ihre Methoden entwickelt, um sich dennoch von der Brennnessel zu ernähren. In den Blattachseln der Brennnesseltriebe bilden sich die ähren- oder rispenähnlichen Blüten mit den unauffälligen Blüten.

Brennnesseln haben einen hohen Gehalt an Mineralstoffen wie Eisen und an Vitaminen, vor allem an Vitamin C. In der TCM gehört die Brennnessel deshalb zu den Blut-Tonika. Medizinisch werden die Brennnesselblätter (Urticae folium), das Kraut (Urticae herba) und die Wurzel (Urticae radix) sowie die Samen (Urticae semen) genutzt. Sie können als Tee, Extrakt oder Tinktur verwendet werden.

Zur Zubereitung eines Tees nehmen Erwachsene 2-4 Teelöffel der getrockneten Blätter oder 1-2 Teelöffel der getrockneten Wurzel pro Tasse. Beide Pflanzenteile können wahlweise mit kochendem Wasser überbrüht werden oder eine Minute ausgekocht werden, um dann 10 Minuten zu ziehen. Drei bis vier Tassen pro Tag können Erwachsene von diesem Tee trinken. Zu seinen Anwendungsgebieten gehören Anämie, Durchspülung der Harnwege bei entzündlichen Erkrankungen, Miktionsbeschwerden bei Prostatahyperplasie und die unterstützende Behandlung von Rheuma. Zusätzlich sollte man viel trinken, da Zubereitungen der Brennnesseln entwässern. Aus dem TCM-Sicht regulieren Brennnesseln den Flüssigkeitshaushalt, sie eliminieren, was sich ungewollt angesammelt hat, befeuchten aber auch. 

Die Samen werden gemahlen einer Mahlzeit zugegeben (bis zu 3x1 Teelöffel für Erwachsene). Sie werden in der Erfahrungsmedizin bei Erschöpfung, Burn out oder Osteoporose eingesetzt.

Zu den möglichen Nebenwirkungen gehören Beschwerden im Magen-Darm-Trakt und allergische Reaktionen. Dann sollte auf die Brennnessel verzichtet werden. Die Inhaltsstoffe der Brennnessel können die Wirkung von Gerinnungshemmern beeinträchtigen und die Wirkung von entwässernd wirkenden Arzneistoffen wie ACE-Hemmern, Sartanen und Diuretika verstärken. Nicht anwenden sollte man die Brennnessel ferner bei Herz- oder Nierenschwäche und damit einhergehenden Ödemen sowie bei akuter Arthritis mit Schwellung, Rötung und Fieber.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

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