Praxis für traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Holunder (Sambucus nigra)

Der schwarze Holunder (Sambucus nigra) - benannt nach seinen schwarzen Früchten - ist auch als Holler oder Holder bekannt. Die Sträucher werden bis zu fünfzehn Meter hoch. Ihre Aste sind innen hohl und mit weichem Mark gefüllt. Sie haben unpaarig gefiederte Blätter, d.h. die Laubblätter bestehen aus einer ungraden Zahl einzelner Fiederblätter – meist sind es drei bis neun. Die Blütenstände sind schirmförmig und aus einer Vielzahl weißer, radiärsymmetrischer Blüten zusammengesetzt, in deren Mitte die fünf Staubblätter deutlich sichtbar sind. Der Holunder blüht im Juni und veranlasst die Freunde des Holundersirups sie emsig zu sammeln. Auch Marmeladen und Pfannkuchen gehören zu den Köstlichkeiten, die sich aus den Blüten zubereiten lassen. Im Sommer reifen dann die roten, blauen oder schwarzen Früchte heran, die ungekocht für den Menschen giftig sind.

Der Holunder gehört zur Familie der Geißblattgewächse (Caprifoliaceae). Der Name Holunder hat einen althochdeutschen Ursprung. Er kann auf die Worte "Holatar" für einen hohlen Baum und "Holder" für Bruchholz zurückgeführt werden. Holler oder Holder könnten aber auch auf das Adjektiv "hold" zurückgehen. Zudem bedeutet Holdo Geist. Die guten Hausgeister wurden wie unten genauer beschrieben ist, im Holunder vermutet. Der Ursprung des botanischen Namens "Sambucus" ist nicht ganz sicher. Unter Umständen wurde er von den griechischen Worten "symbyke" für harfe  Harfe oder "sambyx" für  rot hergeleitet. Eindeutig ist dagegen, dass sich "nigra" auf die schwarzen Früchte bezieht.

Legenden und Historisches rund um den Holunder

Der Holunder bot einst Schutz vor Feuer, Blitzeinschlag, Hexen und schwarzer Magie, aber auch vor Schlangenbissen und Mückenstichen. Da sich andererseits Hexen in Holunderzweige verwandeln konnten, verzichtete man darauf das Holz zu Möbeln zu verarbeiten oder den Baum zu fällen. In ihm wohnten andererseits - dem Volksglauben zu Folge - die guten Hausgeister, weshalb man früher in jeden Garten einen Holunder pflanzte und vor dem Strauch den Hut zog. Wer seine Blüten oder Früchte pflücken wollte, bat den holunder um Erlaubnis. Schließlich wollte man ihn nicht verärgern, denn er sollte junge Ehen, Witwen und Weisen beschützen und den häuslichen Frieden sicherstellen. Frau Holle, die Holunderblüten schneien lässt, wenn sie die Kissen schüttelt, gehörte zu den Hausgeistern. Sie raubte angeblich Kinder aus Wiegen, die aus Holunderholz gefertigt waren.

Die Germanen nahmen dagegen an, dass der Holunder Wohnsitz der Frigg sei, der Beschützerin von Haus und Hof. Zudem baten sie unter dem Holunder, Holla, die Göttin der Quellen und Brunnen, um fruchtbare Felder. Später vergrub man Kleidungsstücke oder Milchzähne am Holunder, um sich einen guten Schutz vor bösem Zauber und Krankheiten zu sichern. Kranke versuchte man zu heilen, indem man versuchte diese mit Hilfe von Zaubersprüchen in den Holunderstrauch zu leiten. Und natürlich trug ein Stück Holunderholz am Körper, um vor Krankheiten geschützt zu sein. Das Abwehrthema ging damals über die Regulation des Immunsystems weit hinaus.

Der Holunder galt aber auch als Tor zur Unterwelt. Aus Schweden stammt die Legende, dass in der Mittsommernacht der Elfenkönig mitsamt seinem Hofstaat unter dem Holunderstrauch anzutreffen sei. Vertrocknete der Holunder, galt dies einst ein Hinweis darauf, dass ein Familienmitglied verstorben ist. Denn die im Strauch wohnende Holla war zugleich eine Totengöttin. Man das Holz des Holunders für Grabkreuze, bettete Tote auf Holunderreisig und trank bei der Totenwache Holundertee. Grünte dann ein aus dem Holunder gebautes Kreuz auf dem Grab wieder, war der Verstorbene im Jenseits selig. Bis heute findet man Holunderzweige auf Gräbern. Judas soll sich übrigens an einem Holunder erhängt haben, nachdem er Jesus verraten hatte.

 

Mögliche Wirkungen der Holunderblüten (Sambuci flos) & Holunderbeeren (Sambuci fructus)

Medizinisch werden die getrockneten, weißen Holunderblüten (Sambuci flos) und die Früchte des Holunders (Sambuci fructus) genutzt. Die weißen Blüten wirken schweißtreibend bei Fieber mit Frösteln. Weiß ist die Farbe, die der Wandlungsphase Metall zugeordnet ist. Ihr Yin-Organ organisiert nach dem Verständnis der chinesischen Medizin zusammen mit den Nieren, die Wandlungsphase Wasser zugeordnet sind, die Abwehr von äußeren Pathogenen. Zur Wandlungsphase Wasser gehört die Farbe schwarz, der Holunderfrüchte. In der chinesischen Medizin geht man davon aus, dass ein pathogener Faktor eingedrungen ist, wenn ein Mensch sich erkältet. Man spricht dann von Wind-Kälte oder Wind-Hitze, die dank Holunderblütentee ausgeleitetet werden können, weil er die Oberfläche öffnet. Die Früchte gelten als Blut-Tonikum, die mit dem Weiqi der Niere auch die Abwehr stärken.

Für die Zubereitung von einer Tasse Tee aus den getrockneten Blüten verwenden Erwachsene drei bis fünf Gramm und überbrühen sie mit siedendem Wasser. Anschließend sollen sie fünf bis zehn Minuten abgedeckt ziehen. Pro Tag können Erwachsene zwei bis vier Tassen des Tees trinken. Für eine Schwitzkur sollten sie sich allerdings Kleidung zum Wechseln bereitlegen und nach dem Genuss des Tees warm zugedeckt ins Bett legen. Die Früchte können als Direktsaft getrunken werden.

Nach anthroposphischem Verständnis verkörpert der Holunder mit seinen hohlen Ästen die Atemwege und das Element Luft. Wie der Holunder erst nach oben strebt, seine Äste dann aber wieder zur Erde und seinen Wurzeln neigt, soll der heranreifen Mensch seine Abstammung aber nicht vergessen. Nach der Vorstellung der chinesischen Philosophie geben die Vorfahren ihren Nachkommen das vorgeburtliche Qi mit, mit dem man sorgsam umgehen soll, um es nicht vorzeitig zu erschöpfen. Es wird in den Nieren gespeichert, die zur Wandlungsphase Wasser gehören, deren Farbe schwarz ist. Nachgeburtliches Qi kann nur über die Nahrung und die Atmung gebildet werden. Auch hier zeigen sich Bezüge des Holunders zu Niere und Lunge, die wie erläutert die Abwehr regulieren. Der Reifeprozess in der TCM vollzieht sich von der Wandlungsphase Wasser bei der Geburt, über das Holz in der Kindheit und Jugend, dem Feuer im frühen Erwachsenenalter, zur Erde der reproduktiven Lebensphase zum Metall bis sich der Kreis im Alter im Wasser wieder schließt. Jede Wandlungsphase leistet ihren Beitrag. Holunder unterstützt den natürlichen Fluss der Wandlungsphasen, indem seine Früchte die Nieren stärken, der Quelle von Yin und Yang.

Die entwässernde Wirkung von ACE-Hemmern, Sartanen und Diuretika kann durch Holunder verstärkt werden ebenso diejenige von Abführmitteln. Auch mit anderen Medikamenten sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen. Lassen Sie sich hierzu vom Arzt oder Apotheker beraten.

Der Saft der Holunderfrüchte wird in der Erfahrungsmedizin darüber hinaus zum Steigern der Abwehrkräfte und bei Anämie angewendet.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:
www.arzneipflanzenlexikon.info
http://www.ema.europa.eu
https://www.phytodoc.de
https://www.therapeutika.ch
https://www.heilpflanzen-atlas.de 
https://www.walaarzneimittel.de
• S. Bäumler, Heilpflanzenpraxis heute. München 2007

 

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!