Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Leinsamen (Lini semen)

Wer kennt sie nicht, die kleinen, braunen, glänzenden Früchte des Leins, den Leinsamen (Linum usitatissimum)? Er wird in großen und kleinen Tüten in vielen Geschäften angeboten und ist Bestandteil vieler Backwaren. Auf der Höhe des Hypes um die aus Südamerika stammenden Chiasamen, betonten nicht Wenige, dass der Leinsamen diesen in seiner Wirkung nicht nachsteht.

Das gesamte Erscheinungsbild der ganze Pflanze ist eher zart. An dünnen, bis zu einem Meter hohen Ästchen, wachsen die kleinen, fast unscheinbaren Blättchen und im Frühsommer die dünnen, schmal zulaufenden, länglichen, weißen bis hellblauen oder lilafarbenen Blüten.

Die Samen enthalten unter anderem Schleimstoffe, weswegen sie vor allem als Mittel gegen Verstopfung (Obstipation) bzw. zum Aufweichen des Stuhls bekannt sind. Dieser Schleim schützt und befeuchtet alle Schleimhäute, weswegen er auch zur Linderung einer Gastritis, bei Sodbrennen, Reizdarm oder einer Divertikulits eingesetzt werden kann. Allerdings sollten die Samenschalen insbesondere bei einer Divertikulitis nicht mit verzehrt werden, damit sie sich in den Aussackungen des Darms nicht festsetzen und dort zu Reizungen führen. Dies könnte Entzündungen nach sich ziehen.

Äußerlich kann der Schleim auch auf trockene, gereizte Haut aufgetragen werden. Um ihn zu gewinnen, lässt man 2-3 Esslöffel Leinsamen idealerweise über Nacht in ca. 600 bis 700 ml kaltem Wasser quellen. Am nächsten Morgen kocht man das Mazerat kurz auf und gibt es dann durch ein Sieb. Man erhält einen dickflüssigen Auszug, den man über den Tag verteilt trinken kann.

Die verbliebenen Samen können für warme Umschläge genutzt werden. Am unteren Rand des Siebs sammelt sich ebenfalls kostbarer Schleim, der äußerlich angewendet werden kann. Eilige können den Leinsamen auch lediglich eine halbe bis zwei Stunden in kaltem Wasser quellen lassen.

Sofern medizinische Gründe nicht dagegen sprechen, können die Samen auch unverarbeitet verwendet werden. Allerdings benötigen sie zum Aufquellen im Magen-Darm-Trakt viel Flüssigkeit, die dazu getrunken werden muss. Sonst erreicht man mit dem Verzehr von Leinsamen das Gegenteil und verstärkt eine bestehende Verstopfung.  

Neben den Samen (Lini semen) wird auch das aus ihnen gewonnene fette Öl, das Leinöl (Lini oleum), aufgrund seines Gehalts an mehrfach ungesättigten Fettsäuren sehr geschätzt wird. Beliebt ist seine innerliche Anwendung zur Versorgung mit diesen begehrten Fettsäuren, aber auch äußerlich kann das Öl zur Befeuchtung der Haut wertvolle Dienste leisten. Allerdings wird es sehr schnell ranzig, was man daran erkennt, dass es bitter schmeckt. Deshalb empfiehlt sich gegebenenfalls der direkte Bezug des frisch gepressten Öls von einer Ölmühle.

Auf Leinsamen unbedingt verzichten müssen Patienten mit starken Bauchschmerzen, die von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden (Verdacht auf Darmverschluss), bei einer Verengung der Speiseröhre bzw. im Magen-Darm-Trakt. Ebenso müssen Patienten mit akuten entzündlichen Darmerkrankungen, Erkrankungen der Speiseröhre oder des Mageneingangs darauf verzichten. Da er die Aufnahme von Arzneistoffe beeinträchtigen kann, sollten etwa zwei Stunden Abstand zur Medikamenteneinnahme eingehalten werden.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

Zurück zu den Arzneipflanzen des Monats