Traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Löwenzahn (Taraxcum officinalis)

Den Löwenzahn kennt wohl jedes Kind. Im Frühjahr erfreuen anfangs die strahlend gelben Blüten auf den Wiesen nach einem langen grauen Winter das Gemüt, die sich in die sogenannte Pusteblume verwandeln. Kaum ein Kind ahnt allerdings, dass es beim Pusten zur Verbreitung des Löwenzahns beiträgt. Und Freunde des englischen Rasens haben ihre liebe Mühe die immer wieder keimenden Pflänzchen zu beseitigen. Der Milchsaft hinterlässt braune Flecken auf der Haut oder der Kleidung.

Der Löwenzahn (Taraxacum officinalis) gehört wie die Arnika, der Beifuß, die Artischocke, das Gänseblümchen, der Huflattich, die Benediktendistel, die große Klette, die Mariendistel, das Mutterkraut, die Ringelblume, die Schafgarbe, die Wegwarte oder der Wermut zu den Korbblütlern (Asteraceae). Seine charakteristischen länglichen, tief eingeschnittenen, spitz zulaufenden Laubblätter bilden eine grundständige Rosette aus deren Mitte die hohlen Blütenstängel herauswachsen, an deren Ende sich der Blütenstand mit seinen konzentrisch angeordneten gelben Zungenblüten befindet. Bei Regen und in der Dunkelheit schließt sich die Blüte. Ist sie verblüht, bilden sich im Innern der Hüllblätter die Früchte mit ihren haarigen Flugschirmen, dem Pappus. So kann auch der Wind die Samen verbreiten, wenn kein Kind zur Stelle ist, um diese wichtige Aufgabe zu übernehmen.

Der Löwenzahn bildet kräftige Wurzeln, die zum Leidwesen vieler Hobbygärtner nachwachsen, sofern man sie nicht komplett entfernt. Seinen Namen "Löwenzahn" erhielt er wegen seiner unregelmäßig eingeschnittenen Blattränder. Der botanische Name "Taraxacum" hat eventuell einen griechischen Ursprung, vielleicht auch einen arabischen. Griechisch "Taraxis" heißt Entzündung und "akeomai" bedeutet "ich heile". Dies erinnert daran, dass die Pflanze schon im frühen Mittelalter als Heilpflanze geschätzt wurde, und deshalb im Verkaufsraum der Apotheke, der Offizin, gebräuchlich war. Daher der Zusatz "officinalis". Die arabischen Wörter "tarak für" lassen und "sahha" für pissen könnten dagegen auf die entwässernde Wirkung des Löwenzahns hinweisen.

Legenden und Historisches rund um den Löwenzahn

Seit dem Mittelalter wurden die oberirdischen Teile des Löwenzahns und seine Wurzel nicht nur als Heilpflanze sondern auch als Schönheitswasser gepriesen, das Sommersprossen aufhellen sollte. Nicht immer erfolgte die Anwendung als Tee. So sollte etwa ein Amulett mit sieben am 24. August (Sankt Bartholomäus Tag) ausgegrabenen Löwenzahnwurzeln vor Augenerkrankungen schützen. Mädchen nutzten Pusteblumen dagegen, um einen Blick in die Zukunft zu werfen: Hatten sie die Samen weggeblasen, gab die Anzahl der verbliebenen Samen an, wie viele Jahre bis zu ihrer Eheschließung noch vergehen würden. Ein weißer Blütenboden bedeutet zudem, dass sie in den Himmel kommen würden, ein dunkeler, prophezeite die Hölle. Zum Glück gibt es immer viele Pusteblumen, so dass man das Orakel erneut befragen kann, wenn man mit dem Ergebnis nicht einverstanden ist.

In christlichen Gemälden symbolisiert diese anpassungsfähige und sich stark ausbreitende Pflanze die Verbreitung der christlichen Lehre, aber auch die Vergänglichkeit. Oft findet man ihn auf Gemälden mit Maria, Christus und Veronika.

Mögliche Wirkungen von Löwenzahnwurzel mit Kraut (Taraxci herba cum radicis)

Die Löwenzahnwurzeln werden ebenso medizinisch genutzt wie das Kraut. Die Pflanze wirkt verdauungsfördernd, harntreibend und regt den Fluss der Galle an. Auch zur unterstützenden Begleittherapie von Rheuma wird er von Betroffenen geschätzt. Aus Sicht der chinesischen Medizin gehört der Löwenzahn sowohl zu den Kräutern, die Fülle ausleiten als auch zu denjenigen die Leere tonisieren. Im Handel sind neben der getrockneten Pflanze Presssäfte, Tinkturen und Extrakte erhältlich.

Flexibilität ist eine wichtige Eigenschaft, die der Wandlungsphase Holz zugerechnet wird. Der Löwenzahn ist nicht nur eine ausgesprochen vitale, sondern auch eine sehr anpassungsfähige Pflanze. Dennoch hält er die notwendige Spannung, so dass seine Blütenstängel aufrecht stehen und die Wurzeln fest verankert sind. Ist die Holz-Energie des Menschen aus Sicht der chinesischen Medizin ausgewogen, halten sich Spannung und Flexibilität die Waage. So kann man im Leben seine Visionen verwirklichen, diese aber auch immer an Veränderungen der äußeren Umstände oder neue Erkenntnisse anpassen. Festgefahrene Ideen dagegen können Ärger verursachen. Der zu den Frühlingsboten gehörende Löwenzahn, der nach der Kälte und Erstarrung mit großer Lebenskraft die Wiesen schmückt, kann eine aus dem Gleichgewicht geratene Wandlungsphase Holz wieder harmonisieren. Er gilt daher in der chinesischen Medizin als klassische Leberpflanze. Die Leber ist das Yin-Organ der Wandlungsphase Holz.

Da Löwenzahn entwässert, muss zusätzlich reichlich Wasser getrunken werden. Zudem kann auf diese Weise die Wirkung von entsprechend wirkenden Arzneistoffen wie ACE-Hemmern, Sartanen oder Diuretika verstärkt werden. Ferner kann die Wirkung Antidiabetika verstärkt werden, so dass es zu einer Unterzuckerung kommen kann. Kontrollieren Sie bei gemeinsamer Anwendung regelmäßig Ihren Blutzuckerspiegel und führen Sie Traubenzucker mit sich, damit Sie gegebenfalls schnell reagieren können, wenn Ihr Blutzucker zu stark absinkt. Auch mit anderen Arzneistoffen sind Wechselwirkungen nicht ausgeschlossen, lassen Sie sich diesbezüglich von Ihrem Arzt oder Apotheker beraten.

Treten unter der Anwendung Fieber, Harnverhalten, Krämpfe beim Wasserlassen oder Blut im Urin auf, muss ein Arzt aufgesucht werden. Bei bekannter Allergie gegen Korbblütler sollte auf Löwenzahn ebenso verzichtet werden wie bei Erkrankungen der Gallenwege einschließlich Gallensteinen.

Der Löwenzahn ist auch als Nahrungsmittel interessant. Die jungen Blätter sind eine leicht bittere Zutat für einen Wildkräutersalat, aus den Blüten kann ein Gelee gewonnen werden. Smoothie-Fans geben ihn auch gerne ihrem Getränk bei. Die Bitterstoffe regen jedoch nicht nur den Appetit, sondern auch die Bildung der Magensäfte an und können zu einer Übersäuerung führen.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:
http://www.arzneipflanzenlexikon.info
http://www.ema.europa.eu
https://www.therapeutika.ch
https://www.heilpflanzen-atlas.de
https://www.phytodoc.de 
https://www.walaarzneimittel.de

• Kalbermatten R. & H. Pflanzliche Urtinkturen. Baden und München 2011

 

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!