Traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Ringelblume (Calendula officinalis)

Die etwa fünfzig Zentimeter hohe Ringelblume (Calendula officinalis) gehört zu den Korbblütlern (Asteraceae). Unermüdlich bildet sie von Juni bis Oktober einen Kranz von leuchtend gelben bis orangefarbenen Zungenblüten, die den inneren Korb von Röhrenblüten umgeben. Gefüllte Ringelblumen bilden sogar mehrere Kränze von Zungenblüten. Die Blüten entspringen den Achseln der länglichen, behaarten Blätter, die direkt an der Sprossachse ansetzen, weil sie keinen Blattstil haben. Sie drehen ihre Köpfe immer der Sonne zu. Üppig blüht sie ab Juni vom Sonnenaufgang bis zum Sonnenuntergang bis zum Herbst oder gar bis zum ersten Frost. Im Anschluss an die Blüte reifen die gekrümmeten Samen, nach denen die Pflanze bennant ist. Dort wo sie sich wohlfühlt, kehrt sie Jahr für Jahr wieder und breitet sich aus. Man nennt sie daher auch Wucherblume.

Ihre Verwandtschaft mit anderen Korbblütlern wie Arnika, Beifuß, Huflattich, Gänseblümchen, Löwenzahn oder Sonnenblume ist offensichtlich. Aber auch Artischocke, Klette, Mariendistel, Mutterkraut, Wegwarte, BenediktendistelHuflattich, Schafgarbe oder der Wermut gehören zu der großen Pflanzenfamilie. Der botanische Name "Calendula" hat seinen Ursprung im Lateinischen. "Calendae" ist der erste Tag des Monats. "Calendula" kann man als "kleiner Kalender" übersetzen. Mit Zusatz "officinalis" wird darauf verwiesen, dass die Arzneipflanze in der "Offizin", dem Verkaufsraum der Apotheke, gebräuchlich ist.

Legenden und Historisches rund um die Ringelblume

Bei den Germanen war die auch als Sonnenbraut oder Niewelkblume bezeichnete Ringelblume Freya geweiht, Göttin der Liebe und der Ehe. Die Christen weihten sie später Maria.

Die Pflanze riecht zwar aromatisch, verströmt aber auch einen an Verwesung erinnernden Geruch. Gleichzeitig wuchert sie scheinbar unerschöpflich. So entwickelte sie sich zum christlichen Symbol für die Erlösung nach dem Tod und ein ewiges Leben. Deshalb wurde sie auf Gräber gepflanzt. In Mexiko glaubte man, sie habe sich aus dem Blut indigener Völker entwickelt, die durch die spanischen Eroberer getötet wurden. So wurde sie zur Blume des Todes.

Als Blume, die dem Sonnenlauf folgt und der Sonne in ihrem Erscheinungsbild ähnelt, war sie wie Gänseblümchen, Johanniskkraut oder Wegwarte eine heilige Blume, der aber auch Zauberkräfte unterstellt wurden. Für einen überlieferten Liebeszauber pflanzten Mädchen Ringelblumen auf in die Fußspuren ihres Auserwählten. Der Zauber sollte bewirken, dass er, egal ob er dies nun wollte oder nicht, kam und ewig bei ihr blieb. In Spanien trugen Hexenmeister Ringelblumen als Talisman mit sich.

Mögliche Wirkungen der Ringelblume (Calendulae flos)

Medizinisch werden sowohl die Zungen- als auch die Röhrenblüten verwendet (Calendulae flos). Ihre wässrigen und alkoholischen Auszüge wirken bei äußerlicher Anwendung entzündungshemmend und wundheilungsfördernd. Sie kühlen somit Hitze und eliminieren pathogene Faktoren, die in der chinesischen Medizin als (toxische) Hitze oder Schleim bezeichnet werden. Deshalb können Extrakte für Spülungen oder Teilbäder bei Furunkeln, Wunden oder stumpfen Verletzungen wie Quetschungen oder Prellungen verwendet werden. Auch Salben sind im Handel erhältlich. Bei innerlicher Anwendung können Ringelblumenblüten zur Linderung von Beschwerden im Magen-Darm-Trakt oder einer schmerzhaften Menstruation (Dysmenorrhö) beitragen, da sie krampflösend wirken, aus TCM-Sicht also Qi und Blut bewegen. Zudem regen sie den Lymphfluss an.

Die Haut wird in der chinesischen Medizin der Wandlungsphase Metall zugerechnet. Sie schützt uns vor äußeren Einflüssen, ist damit aber auch großen Belastungen ausgesetzt. Die Ringelblume vermag Wunden zu schließen, was man auch spüren kann, wenn man sie pflückt. Dann sondert sie ein klebriges Sekret ab. Sie kann aber auch zur Heilung seelischer Verletzungen beitragen.

Für die Zubereitung einer Tasse Ringelblumentees verwenden Erwachsene 1-2 g der Blüten und übergießen sie mit kochendem Wasser. Der Tee sollte abgedeckt etwa fünf bis zehn Minuten ziehen, bevor er abgeseiht wird. Im Falle einer bekannten Allergie gegen Korbblütler sollte man auf Ringelblumentee jedoch verzichten. Zu den möglichen Nebenwirkungen der Anwendung gehören Irritationen der Haut, die allerdings nur selten auftreten. Bei der Verwendung von Fertigpräparten sollten die Angaben im Beipackzettel beachtet werden.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:
http://www.arzneipflanzenlexikon.info
https://www.ema.europa.eu
https://www.therapeutika.ch
https://www.heilpflanzen-atlas.de
https://www.phytodoc.de

https://www.walaarzneimittel.de
• Kalbermatten R. u H., Pflanzliche Urtinkturen. Baden und München 2011

 

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!