Traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Arnika (Arnica montana)

Die - wie der Namenszusatz „montana“ bereits andeutet - vor allem auf Wiesen in den Bergen vorkommende Arnika gehört wie wie Artischocke, Klette, Benedikten- und Mariendistel beziehungsweise Alant, Beifuß, GänseblümchenHuflattich, KamilleLöwenzahn, Mutterkraut, Ringelblume, Schafgarbe, Wermut oder Wegwarte zu den Korbblütlern (Asteraceae). Sie ist auch unter dem Namen Bergwohlverleih bekannt und steht unter Naturschutz, da ihr Bestand durch Wildsammlungen bedroht ist.

Die Pflanze bildet eine grundständige Blattrosette mit vier bis sechs am Boden liegenden, ei- bis lanzettförmigen Blättern mit einem glatten Rand. Aus ihrer Mitte ragt der behaarte Blütenstängel zwanzig bis sechzig Zentimeter empor, an dem kreuzgegenständig wenige Laubblätter ansetzen. Zwischen Mai und August öffnen sich am oberen Ende des Stängels die Blütenkörbe mit zwölf bis zwanzig gelben bis orangegelben Zungenblüten, die einen Kreis um die bis zu 100 gelben Röhrenblüten in ihrer Mitte bilden. Ihr Durchmesser beträgt etwa fünf bis acht Zentimeter. Der Korbboden ist behaart. Später reifen die nussähnlichen braunen Früchte (Achänen), die stark behaart sind (Pappus) – die ähnelt den Pusteblumen, die man vor allem vom Löwenzahn kennt und gewährleistet die Verbreitung der Samen mit dem Wind.

Die Spekulationen über den Ursprung des Namens sind umfangreich. So könnte die Bezeichnung Arnika ihren Ursprung im Griechischen haben, wo „arnakis“ Lammpelz bedeutet. Dies könnte sich auf die weich behaarte Blütenhülle beziehen. Im Arabischen gibt es zudem das Wort „anich“ für Leben. Da Dioskurides die Niesreiz verursachenden Korbblütler als „ptarmike“ bezeichnete, könnte Arnika auch eine Kurzform von dem griechischen Wort „ptarmos“ für niesen sein.

Legenden und Historisches rund um die Arnika

Bereits in vorchristlicher Zeit wurde die Arnika geschätzt. So war sie bei den Germanen der Göttin Freya  zugeordnet. Als „Donnerwurz“ verwendete man die Arnika unter dem Dach liegend an Stelle eines Blitzableiters. Als „ Wolfsbanner“ oder „ Wolfstod“ sollte die Arnika Wölfe fern halten. Andere vergleichen die gelben Blüten mit den gelben Augen des Wolfs.

Ihr volkstümlicher Namen „Johannisblume“ erinnert daran, dass man am Tag der Sonnenwende bzw. am Johannistag  (24. Juni) gesammelte Blüten eine besonders intensive Wirkung zuschrieb. Als alte Zauberpflanze sollte sie verhindern, dass Dämonen das Getreide vernichten.  Deshalb steckten die Bauern früher vor dem Johannistag Sträuße mit Arnika an die Ecken ihrer Getreidefelder. Was sie nicht wussten: auf der Pflanze legt die Arnikafliege (Trypeta arnica) ihre Eier ab. Befallen diese Frucht- oder Bohrfliegen die Arnika, nutzt dies dem Getreide. Andere Quellen lassen allerdings vermuten, dass der Kornwolf mit Hilfe der Arnikasträuße am Verlassen des Feldes gehindert werden sollte. Seine Aufgabe war es dem Korn die Kraft für die Reife zu verleihen.

Zudem gehörte die Arnika zu den Marienpflanzen. Daher wurde sie bei der Kräuterweihe an Maria Himmelfahrt (15. August) in einen Strauß gebunden. Der Name „Mutterkraut“ erinnert jedoch daran, dass sie einst auch in der Geburtshilfe eingesetzt wurde.

Mögliche Wirkungen der Arnikablüten (Arnicae flos)

Als Heilpflanze wird die Arnika vermutlich erstmals bei Hildegard von Bingen unter der Bezeichnung „Wolfsgelegena“ erwähnt. Von diesem althochdeutschen Wort leitetet sich möglicherweise der Name „Wohlverleih“ für die Arnika her.  Hildegard stufte die Pflanze allerdings als starkes Aphrodisiakum ein. Umfangreichere Quellen zur medizinischen Nutzung der Arnika finden sich erst ab dem 18. Jahrhundert. Damals setzte man sie wie heute bei Verletzungen ein. Aus dieser Zeit stammen Namen wie „Blutblume“, weil sie Blutergüsse auflösen kann, sowie „Bruchkraut“ oder „Fallblume“, weil sie Verletzungen nach einem Sturz lindern kann.

Streng genommen gehört die Arnika zu den Giftpflanzen, nur in homöopathischer Verdünnung darf sie hierzulande innerlich angewendet werden. Äußerlich kommen aus der Blüte (Flos) der Arnica gewonnene Tinkturen und Öle bei Prellungen und Quetschungen sowie bei Zerrungen, Verstauchungen oder Muskelfaserrissen zum Einsatz, da sie das Auflösen von Blutergüssen unterstützen kann. Darüber hinaus kann sie Muskel- und Gelenkschmerzen lindern. In der chinesischen Medizin gehört die Arnika daher zu den Blut bewegenden Pflanzen, der zudem das Qi bewegt und Wind-Kälte, Wind-Hitze und Feuchtigkeit ausleiten kann. Daher kann sie auch bei Aphthen, Zahnfleischentzündungen, entzündeten Insektenstichen oder Furunkeln verwendet werden.

Allerdings dürfen Zubereitungen der Arnikablüten nur auf unverletzte Haut aufgetragen werden. Andernfalls kann es zu weiteren Hautschäden wie einer ödematösen Dermatitis mit Bläschenbildung kommen. Von einer Daueranwendung wird abgeraten, da sich bei längerer Anwendung Ekzeme bilden können. Personen mit einer Allergie gegen Korbblütler müssen auf Arnikablüten und ihre Zubereitungen verzichten. Zur Anwendung in der Schwangerschaft und Stillzeit liegen bisher keine Untersuchungen vor, so dass unklar ist, ob diese unbedenklich wäre. Dies gilt auch für einen Gebrauch bei Kindern unter 12 Jahren.  

Quellen:
    • https://arzneipflanzenlexikon.info
    • Monographie der europäischen Arzneimittelbehörde (EMA)
    • https://www.therapeutika.ch
    • https://www.walaarzneimittel.de
    • S. Bäumler, Heilpflanzenpraxis heute. München 2007

 

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!