Traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Gänseblümchen (Bellis perennis)

Fängt das Gänseblümchen (Bellis perennis) im Früjahr an zu blühen, pflücken Kinder ihren Eltern gerne kleine Blumensträuße oder fädeln die Blüten an ihren Stängeln zu Ketten und Kronen auf. Ob Kinder ahnen, dass sie ihnen gut tun? Vielleicht war es auch die Affinität von Kindern, die dazu führte, dass man begann sich mit ihrem Einfluss auf das kindliche Gemüt zu befassen. Als pflanzliche Urtinktur gilt das Gänseblümchen als hilfreiche Pflanze für all diejenigen, die sich ungerecht behandelt fühlen, die seelisch oder körperlich verletzt wurden. Wie oft durchleidet die kindliche Seele dieses Gefühl bis sie stark genug geworden ist, die Ungerechtigkeit der Welt zu ertragen?

Die zierlichen Blumen gehören wie die Arnika, der Beifuß, die Artischocke, die Benediktendistel, die Mariendistel, das Mutterkraut, die große Klette, der Löwenzahn, der Huflattich, die Ringelblume, die Schafgarbe, die Wegwarte oder der Wermut zur Familie der Korbblütler. Ein Kranz weißer Zungenblüten umgibt den Korb mit den gelben Röhrenblüten. Die Blüten drehen sich immer zur Sonne, schließen sich jedoch bei Regen sowie in der Dunkelheit. Dann hängen die Köpfchen ein bisschen nach unten und man sieht die unter den Kronblättern befindlichen grünen Kelchblätter der Blüte. Von Frühjahr bis Herbst blüht das Gänseblümchen und bildet in dieser Zeit regelmäßig neue Laubblätter für seine bodennahe Blattrosette. Das bringt zum Ausdruck welche Regenerationskraft in dieser anmutigen Pflanze steckt. Zudem ist das Kraut äußerst zäh. Kaum, dass man auf der Wiese auf die Blüten getreten ist, richten sie sich auf schon wieder auf und bereits kurz nachdem die Wiese gemäht wurde, blühen die ersten Pflanzen wieder. Daran erinnert auch der botanische Name. "Bellis" hat einen lateinischen Ursprung und bedeutet "hübsch", während der Zusatz "perennis" ausdauernd heißt.

Manch einer bezeichnet die auch als Maßliebchen oder Tausendschön bekannten Gänseblümchen als Delikatesse und möchte sie in einem Wildblumensalat nicht missen. Je nach Geschmack kann man hierfür zusätzlich beispielsweise Duftveilchen, Löwenzahn, Vogelmiere, Brennnesselsamen, Spitzwegerich oder Taubnesseln sammeln, aber auch ungespritzte Rosenblütenblätter. Der Ursprung des deutschen Namens ist nicht ganz klar. Das Gänseblümchen könnte danach benannt sein, dass es auf Gänseweiden ideale Bedingungen vorfindet und gut gedeiht, es könnte aber auch sein, dass die weißen Zungenblüten und die gelben Röhrenblüten früher Betrachter an die weißen Federn einer Gans und ihren gelben Schnabel erinnert fühlten.

Legenden und Historisches rund um die Gänseblümchen

Der Legende nach handelt es sich beim Gänseblümchen um Baldurs Auge, weshalb es auch Augenblümchen genannt wird. Dieser germanische Sonnengott spendet das Licht und gilt als barmherzig sowie wunderbar weiß und schön. Das Gänseblümchen soll aus dem Zaubergarten seiner Mutter Frigg stammen und galt als irdischer Stellvertreter der Leuchtkraft Baldurs.

Bei den Kelten war es der heiligen Margarete geweiht. Für die Christen symbolisiert das Gänseblümchen dagegen die Unschuld von Maria. Der französische König Ludwig IX. nahm es im 13. Jahrhundert zusammen mit der Lilie in sein Wappen auf.

Mögliche Wirkungen der Gänseblümchen (Bellidis flos)

Früher häufiger als heute wurden Gänseblümchen zur Behandlung von Erkrankungen der Haut und stumpfen Verletzungen etwa des Bewegungsapparats benutzt. Sie wirken entgiftend, durchblutungs- und wundheilungsfördernd sowie entzündungshemmend. Innerlich kann man getrocknete Gänseblümchen als Tee zubereiten. Diesen sollte man längerfristig regelmäßig trinken, um von ihrem medizinischen Nutzen zu profitieren. Denn das Gänseblümchen ist eine sanfte Pflanze, die erst nach und nach den gewünschten Erfolg bringt. Sie wird den Umstimmern (Aliterativa) zugerechnet, die insbesondere bei Hauterkrankungen Prozesse, die im Körper aus dem Ruder gelaufen sind, wieder ins Gleichgewicht bringen können, wenn man ihnen genug Zeit dafür lässt. Für einen Tee übergießt am 2 Teelöffel der getrockneten Blüten pro Tasse mit kochendem Wasser und lässt diesen etwa 10 Minuten abgedeckt ziehen. Täglich kann man hiervon dreimal eine Tasse trinken. Aus Sicht der chinesischen Medizin kühlt es Hitze.

Die Kelchblätter des Gänseblümchens schließen sich wie beschreiben bei Regen und Dunkelheit schützend und tröstend um die Blüte, ähnlich schützt unsere Haut unseren Organismus vor äußeren Einflüssen. Damit stärkt das Gänseblümchen die Wandlungsphase Metall, denn die Haut ist dem Yin-Organ dieser Wandlungsphase, der Lunge, zugeordnet. Das empfindliche Organ, aber auch die Seele sind fortan weniger verletzlich. Jede Verletzung, ob seelischer oder körperlicher Art, bringt den freien Fluss von Qi und Blut zum Erliegen. Mit der Widerstandskraft des Gänseblümchens können verletzte Menschen wieder vital durchs Leben gehen. Qi und Blut können frei fließen. So harmonisiert das Gänseblümchen auch die Wandlungsphase Hotz, deren Yin-Organ, die Leber, den freien Fluss von Qi und Blut gewährleisten soll.

Bei stumpfen Verletzungen sollte dagegen ein Gänseblümchenöl zum Einsatz kommen. Hierzu müssen die gereinigten Blüten nach der Ernte in ein helles Glas gegeben und mit einem Pflanzenöl bedeckt werden, z. B. Olivenöl. Das Glas stellt man, ohne den Deckel fest zu verschließen, an eine sonnige Stelle, rührt anfangs täglich um und trocknet eventuell kondensiertes Wasser ab. Nach einigen Tagen kann der Deckel dann verschraubt werden. Die Gänseblümchen bleiben so für etwa sechs Wochen im Öl bevor sie abgeseiht werden. Das Öl sollte anschließend in einem dunklen Gefäß kühl gelagert werden. Es hält sich ungefähr ein Jahr und kann in Form von Einreibungen oder Ölverbänden bei Prellungen, Quetschungen, Zerrungen, Verstauchungen und anderen stumpfen Verletzungen zum Einsatz kommen.

Die Gänseblümchen selbst kann man wunderbar verwenden, wenn man unterwegs ist und gestochen wurde, indem man die Blüten verreibt und den austretenden Saft auf den Stich aufträgt. Das lindert den Juckreiz!

Vorsicht ist angebracht bei bekannter Unverträglichkeit. Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen ebenfalls nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:
https://www.phytodoc.de 
https://www.walaarzneimittel.de
• Kalbermatten R. & H. Pflanzliche Urtinkturen. Baden und München 2011

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!