Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Artischocke (Cynarae folium)

Die im Mittelmeerraum beheimatete Artischocke (Cynara scolymnus) ist nicht nur ein wohlschmeckendes Gemüse, sie ist auch eine wertvolle Arzneipflanze. Während im Kochtopf jedoch die Knospen zubereitet werden – verzehrt werden die fleischigen Hüllblätter und der Blütenboden -, werden die Blätter für medizinische Zwecke verwendet. Die Blätter von Pflanzen, die der Gewinnung von Artischocken als Gemüse dienen, haben allerdings keinen medizinischen Nutzen.

Wie das Gänseblümchen, die Klette, der Löwenzahn, die Ringelblume, die Wegwarte oder der Wermut aber auch die Disteln gehören Artischocken zu den Korbblütlern. Gemeinsam ist dieser Pflanzenfamilie der von Hüllblättern umgebene körbchenförmige Blütenstand. Als Blütenstand bezeichnet man eine Ansammlung von Einzelblüten, die eine gemeinsame Blüte zu bilden scheinen. Menschen mit bekannter Allergie gegen Korbblütler sollten auf deren Genuss verzichten.

Im ersten Jahr bildet die Artischocke lediglich eine grundständige Blattrosette. Deren unter Umständen dornigen Laubblätter sind zwei- bis dreifach gefiedert und bis zu 40 cm breit und 80 cm lang. An ihrer Unterseite sind sie behaart. Im zweiten Jahr ebenso wie in den Folgejahren wachsen dann die Stängel bis zu zwei Meter empor, an denen sich die Blütenstände bilden. Werden die Knospen nicht geerntet, werden inmitten der kräftigen Hüllblätter violette Röhrenblüten sichtbar.

Die Blätter der Artischocke wirken appetitanregend. Sie regulieren die Verdauung und den Cholesterinspiegel. Daher wird die Artischocke als Arzneipflanze auch zu Arterioskleroseprophylaxe geschätzt. Verfügbar sind neben den getrockneten Blättern zu Herstellung von Tees, Tinkturen und Trockenextrakte, die in Form von Fertigarzneimitteln und Nahrungsergänzungsmitteln im Handel angeboten werden.

In der chinesischen Medizin werden Artischockenblätter eingesetzt, um die Mitte zu stärken, das Leber-Qi zu bewegen sowie um Feuchtigkeit und Schleim auszuleiten. Damit ist die verdauungsfördernde Wirkung der Artischocke gemeint, die auch zur Regulation der Körpergewichts beitragen kann. Außerdem nährt die Artischocke aus TCM-Sicht Yin und Blut der Leber, weil sie unter anderem befeuchtend wirkt.

Für die Zubereitung einer Tasse des Tees nehmen Erwachsene einen Teelöffelt der getrockneten Blätter und übergießt sie mit kochendem Wasser. Anschließend lässt man sie 10 bis 15 Minuten abgedeckt ziehen.

Bei Erkrankungen der Leber oder Gallenblase einschließlich Gallensteinen sollen Zubereitungen der Artischocke nicht angewendet werden. Mögliche Nebenwirkungen sind Übelkeit, Durchfälle oder Oberbauchschmerzen. Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen. Die Wirkung von Gerinnungshemmern kann möglicherweise beeinträchtigt werden. Lassen Sie sich hierzu in Ihrer Apotheke oder beim Arzt beraten.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

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