Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Wermut (Absinthiae herba)

Wermut (Artemisia Absinthi) gehört wie die Sonnenblume, die Artischocke, das Gänseblümchen, der Löwenzahn, die Klette oder die Wegwarte zur Familie der Korbblütler. Das Kraut wird bis zu eineinhalb Meter hoch. Das, was der botanisch ungeschulte Betrachter als Blatt ansehen würde, ist eigentlich ein gefiedertes Blatt. An seinem Blattstiel setzen oben und beidseits die eigentlichen Blätter an, die so genannten Blattspreite. Sie sind zwei- bis dreilappig, was in diesem Fall bedeutet, dass der Blattrand wellenförmig eingeschnitten aussieht. Weil die Ober- und Unterseite der Blätter stark behaart ist, schimmern die grünen Laubblätter gräulich-weiß. Die kleinen, kugeligen Blüten stehen in Rispen zusammen und sind gelb. Medizinisch genutzt werden die Zweigspitzen als Kraut.

Der Wermut gehört zu den Heilpflanzen, die schon in der Antike zum Einsatz kamen. Im alten Ägypten wurde er für Liebeszauber verwendet und war der Fruchtbarkeitsgöttin Bastet geweiht. Die Griechen weihten ihn dagegen der Jagdgöttin Artemis, die zugleich die Beschützerin der Gebärenden war. Hieraus leitet sich wohl ihr botanischer Name Artemisia absinthium ab, wobei umstritten ist, ob der Zusatz darauf hinweist, dass der Geschmack nicht jedem Vergnügen bereitet. Im Mittelalter befasste sich Hildegard von Bingen ausführlich mit dem Wermut.

Die Wirkung des Wermuts kann vor allem auf seine ätherischen Öle und Bitterstoffe zurückgeführt werden. Er kann daher Beschwerden im Verdauungstrakt lindern und wirkt appetitanregend. Nach längeren Erkrankungen kann er so dazu beitragen, dass verloren gegangene Kräfte zurückkehren. Ferner regt er die Aktivität der Leber an und unterstützt den Gallenfluss. Er wirkt krampflösend und kann kombiniert mit den richtigen Arzneipflanzen bei bestimmten Patienten auch zur Linderung einer Migräne beitragen. In der Erfahrungsmedizin gilt er auch als Mittel gegen Wurmerkrankungen.

Allerdings wirken Bitterstoffe auch trocknend und munden im Tee nicht jedermann. Zudem enthalten vor allem alkoholische Auszüge von Wermut einen Bestandteil des ätherischen Öls, das toxische Thujon, das bei Überdosierung unter anderem zu Benommenheit, psychischen Beschwerden und Störungen des zentralen Nervensystems, aber auch Erbrechen und Bauchschmerzen führen kann. Daher soll der Wermut nicht länger als zwei Wochen am Stück verwendet werden.

Ein Tee kann für einen Erwachsenen mit einem Teelöffel des getrockneten Krauts pro Tasse zubereitet werden. Er sollte abgedeckt etwa 15 Minuten ziehen und 30 Minuten vor dem Essen getrunken werden, um eine verdauungsfördernde Wirkung zu erzielen. Die empfohlene Tagesdosis liegt bei zwei bis drei Gramm des Krauts. 

Bei bekannten Allergien gegen Korbblütler sollte auf Wermut verzichtet werden. Patienten mit Störungen der Gallenfunktion oder Gallensteinen sollte Wermut nicht ohne vorherigen ärztlichen Rat anwenden. Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt! Viele Arzneipflanzen sind für Schwangere und Stillende sowie Kinder und Jugendliche jeden Alters ungeeignet. Sie sollten sie daher niemals ohne Rücksprache mit ihrem Arzt verwenden.

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