Praxis für traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Wegwarte (Cichorium intybus)

Die Wegwarte (Cichorium intybus) gehört zur Familie der Korbblütler (Asteraceae) und ist unter anderem mit der Artischocke, der Arnika, dem Alant, dem Beifuß, der Ringelblume, dem Gänseblümchen, dem Huflattich, der Benediketendistel, der Schafgarbe, dem Mutterkraut, der großen Klette, dem Löwenzahn, der Mariendistel, der Wegwarte oder dem Wermut verwandt. Ihr botanischer Name "Cichorium" setzt sich aus den griechischen Worten "kio" für "ich gehe" und "chorion" für "Feld" und beschreibt, wo man die Wegwarte oft antrifft: in Feldern und Wegrändern. Den Zusatz "intybus" erhielt sie auf Grund ihrer nahen Verwandtschaft mit der Endivie (Cichorium endiva). Eine Variante ist die Kaffeezichorie - ein Kaffee-Ersatz.

Die lanzettförmigen Grundblätter der Wegwarte sind am Rand stark gesägt und erinnern an eine robuste, große Variante der Blätter des Löwenzahns. Mit diesem ist die Wegwarte als Mitglied der Korbblüter auch verwandt. Während die Blätter des Löwenzahns bodennah bleiben, wächst die Wegwarte im zweiten Jahr jedoch ca. 1,5 m in die Höhe. An ihren behaarten Stängeln bilden sich täglich neu wunderschöne blauen Blüten, die sich mit dem Sonnenaufgang öffnen und normalerweise bereits um die Mittagszeit schließen. Vielleicht die Augen eines treuen Burgfräuleins?

Legenden und Historisches rund um die Wegwarte

Die Wegwarte ist einer Legende zu Folge ein verzaubertes Burgfräulein, dessen blaue Augen in Gestalt der Blüten am Wegsrand auf den Liebsten warten. Man nennt sie auch die Sonnenbraut, da sie ihre Blüten immer zur Sonne dreht - so wie die Braut ihren Liebsten nicht aus den Augen lässt. Bei den Kelten verkörperte die mit dem Sonnengott verheiratete Vegetationsgöttin. Ähnlich sahen es die Griechen, die die Wegwarte mit der verschwundenen Nymphe Clythie in Verbindung brachten. Sie war die Geliebte des Sonnengottes Phöbus. Seit je her gilt sie wohl als Symbol der treuen Liebe. Um die Treue sicherzustellen, gaben Frauen allerdings vorsichtshalber das Pulver der Wegwarte in das Essen ihres umtriebigen Gatten.

Selbst wenn sie nicht an ein Burgfräulein glaubten, so fragten sich die Menschen manchmal doch, ob die Tatsache, dass die Blüten morgens dunkelblau, mittags hellblau und abends, wenn sie bereits geschlossen sind, fast weiß sind, möglicherweise darauf zurückzuführen ist, dass ein Mensch verwunschen wurde. Vielleicht ja auch ein Selbstmörder, denn die "Arme-Sünder-Blume" - wie Wegwarte ebenfalls heißt - wuchs unter anderem da, wo man einst Menschen begrub, die sich das Leben genommen hatten.

Andere Mythen sprechen ihr die unterschiedlichsten Zauberkräfte zu. Die Wurzel sollte nicht nur vor allen Gefahren und Verletzungen schützen, sie sollte diejenigen, die sie mit sich führen, gar unsichtbar machen. Diese haben manch einen Poeten inspiriert ein kleines Gedicht über die Wegwarte zu verfassen. Paracelsus nahm an, dass sich die Wegwarte nach sieben Jahren in einen Vogel verwandelt. Unter dem Leinentuch liegend, sollte die Schwangeren die Entbindung erleichtern.

Mögliche Wirkungen der Wegwarte (Cichorii radix)

Seit der Antike wird die Wurzel (Radix) als Heilpflanze genutzt, unter anderem zur Behandlung von der Erkrankungen der Verdauungstrakts und der Haut. Auch als Kaffee-Ersatz fand sie bereits Verwendung.

Aus Sicht der chinesischen Medizin tonisiert die Wegwarte einerseits die Mitte, andererseits kühlt sie unter anderem Hitze und leitet Feuchtigkeit aus. Auf die Dosierung in der Teemischung kommt es dabei an, welche Wirkung im Vodergrund steht.

Für einen Tee für einen Erwachsenen werden gewöhnlich zwei Gramm der getrockneten Wurzel pro Tasse mit kochendem Wasser überbrüht. Man lässt sie 15 Minuten ziehen bevor man sie abseiht. Eine Tasse pro Tag genügt. Wer Gallensteine hat, sollte allerdings auf den Genuss verzichten, da sich die Steine in Bewegung setzen können und eingeklemmt werden können. Auch bei bekannten Allergien gegen Korbblütler sollte man die Wegwarte meiden.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:
http://www.ema.europa.eu
http://www.arzneipflanzenlexikon.info/wegwarte.php
https://www.heilpflanzen-atlas.de 
https://www.walaarzneimittel.de 
• S. Bäumler, Heilpflanzenpraxis heute. München 2007

 

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!