Traditionelle chinesische & japanische Medizin im Glockenbachviertel

Wege entsehen dadurch, dass man sie geht.
Franz Kafka

    
   

Melissenblätter (Melissae floium)

Die Melisse (Melissa officinalis) gehört zur großen Familie der Lippenblütler, die vor allem durch die vielen, mediterranen Kräuter sehr bekannt ist, die hierzulande in der Küche gerne verwendet werden. So sind von Basilikum, Oregano, Majoran, GundernannTaubnessel, Rosmarin, SalbeiBasilikum, Lavendel, Mönchspfeffer und Thymian ebenso mit ihr verwandt wie die Pfefferminze oder der weniger bekannte Andorn. Die Melisse ist im Alltag zur geschmacklichen Verfeinerung von Getränken und Gerichten sehr beliebt, weniger bekannt ist dagegen ihre Bedeutung als Arzneipflanze, obwohl sie in Form von Melissengeist durchaus ihre Stellung behauptet. Allerdings enthält Melissengeist weitere Kräuter.

Im Unterschied zur Pfefferminze wachsen die Blätter der Melisse an stark verzweigten Stängeln. Sie sind eiförmig und am Rand gezähnt bis gekerbt und verströmen einen zitronenähnlichen Geruch, daher auch der Name Zitronenmelisse. Dieser entstammt Öldrüsen an der Oberfläche der Blätter. Man muss ein Blatt also nur zwischen den Fingern zu verreiben, um zu klären, ob man die Melisse gefunden hat oder nicht, kennt man ihren typischen Geruch. In den Blattachseln bilden sich die kleinen, weißen Blüten fast unscheinbar von Juni bis August.

In der Mythologie der Griechen spielte die Melisse ein bedeutende Rolle, den Zeus wurde angeblich mit dem Honig der Nymphe Melissa genährt. Diese und ihre Schwester Amaltheia zogen Zeus im Auftrag seiner Mutter Rhea verborgen von seinem Vater Kronos auf, bis er stark genug war diesen vom Götterthron zu verstoßen. Bei Benediktinermönchen gehörte die Melisse zu den geschätzten Heilpflanzen und Hildegard von Bingen pries sie als Herzkraut oder Herztrost, der freudig stimmt. Früher wurde die Melisse vor Bienenhäusern angebaut, da diese das wohlriechende Kraut sehr lieben. Zudem schätzte man die antiseptische Wirkung des Melissensafts und rieb daher die Bienenhäuser mit diesem aus, um die Bienen vor Krankheiten zu schützen. Vielleicht ein Brauch, an den man sich heutzutage erinnern könnte, um dem Bienensterben entgegenzuwirken.

Äußerlich kann die Melisse insbesondere bei einem beginnenden Herpes aufgetragen werden. Hierzu sind Salben im Handel verfügbar. Innerlich eignet sie sich einerseits zur Linderung von Beschwerden im Verdauungstrakt und andererseits zur Beruhigung bei Stress, Unruhe, Nervosität und Reizbarkeit einschließlich deren körperlichen Auswirkungen. Diese Wirkungen beziehen sich aus Sicht der chinesischen Medizin einerseits auf Magen, Milz und Leber sowie andererseits auf Herz und Shen. Hier wird Hitze gekühlt, chaotisches Qi beruhigt, aber auch eine Leere tonisiert und Qi bewegt.

Der für Erwachsene aus einem Teelöffel des getrockneten Krauts pro Tasse zubereitete Tee sollte ca. 10 Minuten abgedeckt ziehen. Er kann mehrmals täglich getrunken werden. Allerdings sind Unverträglichkeitsreaktionen möglich. Dann muss auf die Melisse verzichtet werden. Zudem sollte beachtet werden, dass die Aufmerksamkeit und Konzentrationsfähigkeit durch Melisse beeinträchtigt werden können. Dies kann die Fähigkeit zu Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen mindern. Vorsicht ist insbesondere bei einer gemeinsamen Anwendung mit entsprechend wirkenden Arzneistoffen geboten! Auch mit anderen Medikamenten (u. a. Tamoxifen) sind Wechselwirkungen möglich. Lassen Sie sich hierzu in der Apotheke oder beim Arzt beraten!

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!