Sabine Ritter, Heilpraktikerin und Apothekerin - Traditionelle Chinesische Medizin (TCM), Japanische Akupunktur und Phytotherapie, München Neuhausen-Nymphenburg

Andorn (Marrubii herba)

Dass der Andorn (Marrubium vulgare) mit der Pfefferminze oder der Melisse verwandt ist, ahnt man aufgrund der Ähnlichkeit der Laubblätter und des aufrechten Wuchses des Krauts auch ohne geschulten Blick. Sie alle gehören zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae). Die Blätter des Andorns sind eiförmig bis rund und am Rand gezähnt. Da die stark verzweigte Blattnervatur tief in der Blattoberfläche versinkt, wirken die Blätter leicht fleischig oder verdickt. Sie sind meist kreuzgegenständig angeordnet, das heißt je zwei Blätter stehen sich auf einer Etage gegenüber, die Achse der Blätter der darüber- und darunterliegenden Etage ist um 90° versetzt. Wie ein Kranz bilden sich die kleinen weißen Blüten in grünen Kelchen oberhalb der Blattachseln von Juni bis September. Die Spitzen der Kelchblätter vertrocknen im Herbst und verhaken sich so mit der Kleidung, woraus sich der Name Andorn (kleine Dorne) ableitet. Stängel, Blätter und Blüten sind behaart.

Das Kraut, Arzneipflanze des Jahres 2018, wirkt appetitanregend, krampflösend und verdauungsfördernd. Für diese Effekte im Magen-Darm-Trakt sind vornehmlich die enthaltenen Bitterstoffe und ätherischen Öle verantwortlich, die unter anderem die Sekretion des Speichels sowie der Magensäfte und der Galle anregen. Darüber hinaus lindert er aber auch Husten, da er schleimlösend und entzündungshemmend wirkt. Verfügbar ist der Andorn in Fertigarzneimitteln, Extrakten sowie als getrocknetes Kraut.

Für eine Tasse Tee überbrühen Erwachsene einen Teelöffel des Krauts mit kochendem Wasser und lassen es etwa 10 Minuten abgedeckt ziehen. So gehen die ätherischen Öle nicht komplett verloren. Dreimal täglich kann eine Tasse des Tees getrunken werden. Für einen verdauungsfördernden oder hustenlindernden Effekt sollte er mit weiteren Kräutern gemischt werden. Lassen Sie sich hierzu von einer fachkundigen Person beraten.

Patienten mit einem Verschluss der Gallenwege, Gallensteinen oder anderen Erkrankungen von Leber oder Gallenblase sollten auf den Genuss von Andorn verzichten. Auch bei einem Darmverschluss darf Andorn nicht angewendet werden. Bei Geschwüren im Magen-Darm-Trakt sollte vor der Anwendung ein Arzt konsultiert werden.

Kinder und Jugendliche jeden Alters, Schwangere und stillende Mütter sollten Arzneipflanzen nur nach Rücksprache mit ihrem behandelnden Arzt anwenden und auch die Dosierung mit ihm absprechen.

Quellen:

Bitte beachten Sie: Diese Behandlungen mit Kräutern gehören zu den wissenschaftlich / schulmedizinisch nicht anerkannten – den sogenannten naturheilkundlichen oder alternativmedizinischen - Heilverfahren. Bei anhaltenden oder zunehmenden Beschwerden sowie bezüglich möglicher Wechselwirkungen mit Medikamenten sprechen Sie bitte mit Ihrem behandelnden Arzt!

Zurück zu den Arzneipflanzen des Monats